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TECHM - Technologiemanagement
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Lernziele

Sie kennen den Zweck des Technologiemanagements und können den Technologiebegriff und die verschiedenen Technologiearten erklären. Sie kennen die Aufgaben des Technologiemanagements und können diese erläutern. Sie erkennen den Zusammenhang zwischen Technologiemanagement und strategischer IT-Planung. Sie kennen Ansätze zur Institutionalisierung des Technologiemanagements und können deren Zweckmäßigkeit beurteilen.

Definitionen und Abkürzungen

  • Angebot (tender) = zeitlich befristeter Vertragsantrag eines potenziellen Auf­trag­nehmers an einen potenziellen Auftraggeber über die Realisierung eines Beschaffungs­projekts.

  • Angebotsanalyse (tender analysis) = Untersuchung und Evaluierung von Angeboten mit dem Ziel, das optimale Angebot zu bestimmen.

  • ASP = Application Service Provider oder Application Service Providing.

  • Ausschreibung (tendering) = Vorgang der Einholung von Angeboten auf Grundlage definierter Anforderungen (z. B. in einem Pflichtenheft).

  • B2B = Business to Business.

  • Evaluierung (evaluation) = zielbezogene Beurteilung von Objekten auf Grundlage eines Systems von relevanten Eigenschaften (Evaluierungskriterien). Synonym: Evaluation.

  • Innovation (innovation) = auf neuen Erkenntnissen beruhende Änderung eines Systems, die zu neuartigen wirtschaftlichen Realisierungen führt.

  • Lebenszyklus (life cycle) = in sich abgeschlossene Phase der Lebensdauer eines Objekts (z. B. ein Softwareprodukt), aus der es keine Rückkehr in eine frühere Phase gibt.

  • Ontologie (ontology) = formales Modell einer Anwendungsdomäne, das dem Austausch und Verteilen von Wissen zwischen menschlichen und maschinellen Akteuren dient.

  • schlüsselfertiges System (turnkey system) = Informationssystem, das dem Anwender mit allen Komponenten aus einer Hand (z. B. von einem ASP) produktiv nutzbar zur Verfügung gestellt wird.

  • Technik (technics) = von Menschen erzeugte Gegenstände (Artefakte) sowie deren Herstellung und Benutzung im Rahmen zweckorientierten Handelns (vgl. VDI-Richtlinie 3780).

  • Technologieart (kind of technology) = Ordnung der Technologien nach ihrem Veränderungspotenzial in Basis-, Schlüssel-, Schrittmacher- und Zukunftstechnologie.

  • technologischer Korridor (technological trajectory) = Phänomene, die dafür verantwortlich sind, dass ein Unternehmen aus ökonomischen und/oder technischen Gründen an bestimmten Technologien festhält, obwohl neue Technologien zur Verfügung stehen.

  • Verfahren (procedure) = festgelegte Art und Weise, eine Tätigkeit oder einen Prozess auszuführen (vgl. DIN EN ISO 9000).

  • Wirksamkeitsanalyse (effectiveness analysis) = Untersuchung eines Systems mit dem Zweck der Evaluierung unter dem Formalziel Wirksamkeit.

  • Wirtschaftlichkeitsanalyse (efficiency analysis) = Untersuchung eines Systems mit dem Zweck der Evaluierung unter dem Formalziel Wirtschaftlichkeit.

Zweck des Technologiemanagements
Aufgaben des Technologiemanagements
Forschungsbefunde

Demonstrationsbeispiel

Für eine strategische Technologieeinsatzentscheidung soll Information über die Produktqualität beschafft werden. Evaluierungsobjekte sind zwei Produkte von Standard-Anwendungssoftware des gleichen Anbieters (mit P1 und P2 bezeichnet). Im Ergebnis soll die Frage beantwortet werden, ob die Produktqualität von P2 signifikant besser ist als die von P1. Es wird gezeigt, welche Evaluierungskriterien verwendet, mit welchen Methoden die Zielerträge ermittelt und welche Befunde für jedes Evaluierungskriterium erarbeitet wurden. Das Ergebnis wird mit einem Kiviat-Graph visualisiert. Folgende Merkmale kennzeichnen im Sinne dieser Evaluierung die Produktqualität und stellen die Evaluierungskriterien dar:

  • Technologie der Softwarearchitektur,
  • Kommunikationsergonomie,
  • Interoperabilität,
  • Flexibilität (Änderbarkeit und Erweiterbarkeit) und
  • Funktionalität.
Für die Ermittlung der Zielerträge wurden weitgehend anbieterneutrale Informationsquellen verwendet, insbesondere:
  • Anwender, die sich in der Umstellung von P1 auf P2 befanden,
  • Anwender, die mit P2 erstmals ein Produkt des betreffenden Anbieters installierten und sich noch in der Einführungsphase befanden,
  • Anwender, die bereits mit P2 arbeiteten,
  • Beratungs- und Vertriebspartner des Anbieters,
  • Publikationen zum Vergleich von P1 vs. P2 und
  • Produktbeschreibungen und Informationsmaterial des Anbieters.
Methoden zur Datenermittlung waren Expertenbefragung, Dokumentenanalyse und Demonstrationen. Angesichts der Rahmenbedingungen (geringes Budget, kurzer Zeitraum für die Evaluierung) und der strategischen Ausrichtung der Technologieeinsatzentscheidung waren gründlichere empirische Ermittlungsmethoden (insbesondere Benchmarks) nicht möglich. Folgende Befunde wurden erarbeitet:
  • Technologie der Softwarearchitektur: Auch bei P2 handelt es sich nicht um ein schlankes, sondern um ein überfrachtetes und komplexes Softwaresystem, das sich zwar auf Standards und offene Systeme stützt, dessen Architektur jedoch nicht als offen im strengen Sinne bezeichnet werden kann. Ergebnis: unzureichend (3) für P2 im Vergleich zu sehr schlecht (1) für P1.
  • Kommunikationsergonomie: Auch bei P2 handelt es sich nicht um ein ergonomisch durchgängig durchdachtes Produkt, das zwar einschlägige Standards zur Gestaltung von Benutzeroberflächen berücksichtigt, die aber in zu geringem Maße ereignisgesteuert, in zu starkem Maße zustandsgesteuert sind. Moderne Konzepte zur Informationsdarstellung (z. B. Splitting) fehlen, die Möglichkeiten zum Ergonomie-Design (Layouting, Interaktionselemente, Farbe und Ton) sind nicht ausgeschöpft. Ergebnis: ausreichend (4) für P2 im Vergleich zu sehr schlecht (1) für P1.
  • Interoperabilität: Zwar ist die Offenheit zum Umsystem von P2 gegenüber P1 deutlich verbessert, die vom Umsystem zu P2 aber nach wie vor eingeschränkt. PC-Standard-Produkte können eingebunden werden, Application Link Enabling, Remote Call Procedure und Remote Function Procedure sind verfügbar. Wesentliche Mechanismen der Interoperabilität sind in die produktspezifische Entwicklungsumgebung eingebettet und daher nur beschränkt von außen verfügbar. Eine volle Transparenz der Datenbankschnittstelle ist nicht gegeben. Ergebnis: ausreichend (4) für P2 im Vergleich zu sehr schlecht (1) für P1.
  • Flexibilität: Trotz des wesentlich größeren Customizing-Komforts und der Verbesserung auf der Werkzeugebene, kann auf Grund der unveränderten Verwendung einer anbieterspezifischen Programmiersprache auch mit P2 eine moderne Änderungs- und Entwicklungsstrategie (wie sie z. B. bei objektorientierter Modellierung gegeben sind) nicht in ausreichendem Maße verfolgt werden. Ergebnis: gut (5) für P2 im Vergleich zu schlecht (2) für P1.
  • Funktionalität: Beide Produkte decken die betriebswirtschaftlichen Grundfunktionen weitgehend ab. Darüber hinaus verfügt P2 über mächtigere und komfortablere administrative Funktionen, ist auf integrierte Branchenlösungen ausgerichtet und unterstützt das Workflow-Konzept. Ergebnis: gut (5) für P2 ebenso wie für P1.
Die Frage, ob die Produktqualität von P2 signifikant besser ist als die von P1, kann bejaht werden. Art und Umfang dessen, was als signifikant besser zu bezeichnen ist, geht aus der Abbildung hervor; darin bedeuten:
  • die Koordinaten k1 bis k5 die verwendeten Evaluierungskriterien (in der oben verwendeten Reihenfolge),
  • die Skalierung auf den Koordinaten mit der nominalen Skala 1 = sehr schlecht, 2 = schlecht, 3 = unzureichend, 4 = ausreichend, 5 = gut, 6 = sehr gut, 7 = ausgezeichnet,
  • der innere Linienzug die Ausprägung der Evaluierungskriterien durch P1, der mittlere Linienzug die Ausprägung der Evaluierungskriterien durch P2,
  • der äußere Linienzug die Ausprägung der Evaluierungskriterien,
  • die bei voller Ausschöpfung des Stands der Technik erreicht werden kann, und
  • der die Koordinaten umschließende Kreis die Ausprägung der Evaluierungskriterien in einer praktisch nicht erreichbaren Idealsituation.
Aus dem Vergleich der Flächen kann nicht nur auf die gegenüber P1 deutlich verbesserte Produktqualität von P2 geschlossen, sondern auch abgeleitet werden, dass P2 das nach dem Stand der Technik mögliche Qualitätspotenzial nicht ausschöpft.

techm_produktqualitt_im_kiviat-graph

 

Abb.: Produktqualität im Kiviat-Graph

 

Methodenverweise

Kontrollfragen und Übungsaufgaben

  1. Wie ist Technologie und wie sind die Technologiearten definiert?

  2. In welche Aufgaben wird Technologiemanagement gegliedert?

  3. Worin besteht der Unterschied zwischen Ex-ante-Evaluierung und Ex-post-Evaluierung?

  4. Aus welchen Dokumenten bestehen die Ausschreibungsunterlagen?

  5. Wie soll Technologiemanagement im Unternehmen institutionalisiert sein?

Quellen

  • Bullinger, H. J.: Einführung in das Technologiemanagement. Modelle, Methoden, Praxisbeispiele. Stuttgart 1994

  • Dorgan, St. J. / Dowdy, J. J.: When IT lifts productivity. In: The McKinsey Quarterly 4/2004, o. S.

  • Dosi, G.: Technological Paradigms and Technological Trajectories. In: Research Policy 3/1982, 147-162

  • Hammer, M. / Champy, J.: Business Reengineering. Die Radikalkur für das Unternehmen. 7. A., Frankfurt a. M. 2003

  • Müller-Zantop, S.: Wo liegt der Wert der Informationsverarbeitung? In: F.A.Z. vom 17.3.1998, B 6

  • Ortmann, G.: Unternehmensstrategien und Informationstechniken. In: Zeitschrift für betriebswirtschaftliche Forschung 11/1991, 997-1001

  • Renkema, T. J. W.: The IT Value Quest. How to Capture the Business Value of IT-Based Infrastructure. Chichester et al. 1999

  • Rogers, E. M.: Diffusion of Innovations. 4. Ed., New York 1995

  • Willcocks, L. / Lester, St.: How do Organizations Evaluate and Control Information Systems Investments? Recent Survey Evidence. In: Avison, D. et al. (Eds.): Human, Organizational, and Social Dimensions of Information Systems Development. North-Holland et al. 1993, 15-39

Vertiefungsliteratur

  • Miller, K. / Dunn, D.: Post-implementation evaluation of information systems technology: a survey of UK practice. In: Berghout, E. W. / Remenyi, D. S. J. (Eds): Evaluation of Information Technology. Delft 1997, 47-55

Normen

  • DIN 69901: Projektwirtschaft - Projektmanagement - Begriffe. 2001

  • DIN EN ISO 9000 bzw. ÖNORM EN ISO 9000: Qualitätsmanagementsysteme. Grundlagen und Begriffe. 2004

  • ÖNORM A 2050: Vergabe von Aufträgen über Leistungen - Ausschreibung, Angebot und Zuschlag - Verfahrensnorm. 2006

  • VDI-Richtlinie 3780: Technikbewertung, Begriffe und Grundlagen. Ausgabe Sept. 2000

  • VDI/VDE-Richtlinie 3694: Lastenheft/Pflichtenheft für den Einsatz von Automatisierungssystemen. 2007

Links